Von Steinen und Krügen

(Ausschnitt aus einem durchaus typischen Meinungsaustausch im Zügle-Forum. Alles begann mit einer (harmlosen) Einladung zu Bösche's Geburtstag...)


Abgeschickt von Miche am 21 August, 2000 um 09:39:30:

Hi, Bösche!!

Danke für die Einladung, ich werde kommen!!
Allerdings ohne Begleitung, ich möchte ja nicht "Wasser zum Bach tragen"!!!! ;-))

CU

M.


Abgeschickt von Oli am 21 August, 2000 um 10:33:55

Tja Leute, wie schon angekündigt, kann ich leider nicht zu der Party kommen. Abere ich denke an euch!

Eulen nach Athen tragen (oder Wasser zum Bache) ist das eine, aber Miche, Du solltest dran denken, dass der Krug nur solange zum Brunnen geht, bis er bricht! Es ist also nie falsch, einen oder zwei Ersatzkrüge mit zu solch einer Party zu nehmen.

Da stellt sich mir doch gerade die Frage, ist der Krug etwa das Sinnbild des Krugtragenden selbst? Wird in dem Sprichwort dann etwa die Wasserverschmutzung durch übelriechende Fäkalien angeprangert? Oder steht der steinerne Krug für ein eben solches Herz, das gebrochen darnieder liegt?

Montag früh, halb elf in Deutschland! Und schon wieder solche schwerwiegenden Gedanken ;-)

Oli


Abgeschickt von Xande@ulm am 21 August, 2000 um 14:18:14:

Deine Gedanken sind wie immer etwas besonderes.
Eine Verschwendung an literarischer Energie und poetischer Ausdrucksweise, Perlen vor die Säue will ich fast sagen, aber -- nein, wir sind doch keine Schweine, auch wenn Marcel Reich-Ranizky, oder wie der auch heißt Dich kritisieren würde, wir halten zu Dir!
Wir unterstützen Dich und liefern immer wieder neue Inspiration und Themenquellen, deiner Schreibwut zur Nahrung, und zum Getränk.

Auf das sie niemals versiegen möchte und ewig währe.
Aber was ist schon ewig? Manchmal eine Stunde, ein Tag? Oder ein Leben? (Schon wieder Telefon!)
Zwei Leben?! Darüber kann man sich streiten! Aber als ewig kann man auch die Zeitspanne definieren in der man etwas semiimportantes vergißt, wenn man es nicht aufgeschrieben hat, oder einfach die Zeit bis zum nächsten Urlaub (oder seit dem letzten Urlaub!).
Schwierige Frage!

Um nochmal das Krugthema aufzugreifen...
Es gibt nun mal verschieden Krüge, so z.B. Maßkrüge (man soll immer ein Beispiel bringen, das jeder kennt) oder Kunststoffkrüge oder Blumenvasenkrüge aus Keramik, oder ...
Nun frage ich ganz unverschämt! Kannte der Erdenker des brechenden-Krug-Gleichnisses noch keine Kunststoffkrüge? Denn die kann man laut meines alten Geschichtelehrers gut bei Schlägereien einsetzen und sie gehen nicht kaputt!
Oder ist ihm dieses Schicksal mit dem Krug vielleicht gar selber zugestossen? Zerbrach er als Kind in einem unachtsamen Moment den einzigen Wasserkrug, den seine Familie besaß? Und mussten sie darauf so sparsam leben, und jeden Tag Hirsebrei essen, um sich einen neuen Krug zu kaufen?
Diese und ähnliche Arten von traumatisierenden Erlebnissen kennt man ja aus der großen Literatur.
Kann man nur wirklich gut sein, wenn man aus der Gosse kommt?

Soviel für heute!!

>>>>>>Bösche, ich muß doch am Samstag auf einer Hochzeit spielen!! Komme aber eventuell noch später, falls Robbe noch fahren kann!!


G.
X.


Abgeschickt von Miche am 22 August, 2000 um 10:00:54:

Das sind mal wieder schwerwiegende Gedanken, die Oli da aufgegriffen hat. Aber hast Du nicht gelesen, daß ich geschrieben habe, daß ich NICHT das Wasser zum Bache tragen möchte!!
Was soll ich also mit einem Wasserkrug!
Wenn man es dann sowieso als "Eulen (oder auch weiße Rosen!) nach Athen tragen" sieht, hat sich die Sache mit dem Krug sowieso erledigt. Dann braucht man höchstens einen Falkner-Handschuh und einen Lederriemen, um die Eulen fachgerecht tragen zu können.
Da ich aber auch dies NICHT möchte, spielt es auch keine Rolle!!
Darum dürfen auch Krüge zerbrechen (man muss also keine aufblasbaren mitnehmen!, da im Bach sowieso schon genug Wasser sein sollte. Dies liegt natürlich an den Festveranstaltern und ich bei denen geh ich mal davon aus, daß die wissen, was ein Mann begehrt, der ohne Begleitung zum Feste erscheint!

In diesem Sinne,

M.


Abgeschickt von Oli am 22 August, 2000 um 11:50:40

Vollkommen richtig, die Begehrden eines Mannes beim Feste sind außer Zweifel. Du brauchst ja auch nicht den Sand in die Wüste zu tragen. Er rinnt Dir ohnehin durch die Finger, eh Du merkst, was die Stunde geschlagen hat. Aber denke daran, steter Tropfen höhlt den Stein. Ist das denn nicht die Vorgeschichte des gebrochenen Kruges am Brunnen? Was haben wir denn, wenn der Stein nur ausreichend gehöhlt ist? Genau, einen Krug! Lass das Wasser weiter tropfen und es wird den neu geformten Behälter zum Überlaufen bringen. Irgendwann wird er der Gewalt nicht mehr Stand halten können und ... er bricht. Sind wir also wieder da, wo alles begann. Ein neuer Stein, eine neue Ewigkeit (siehe auch Xande, 2. Absatz). Nur das Wasser, dieses erquickende Frisch hat eine Stetigkeit von überwältigender Schönheit. Scheinbar belanglos dahinfließend sucht es sich seinen Weg durch das härteste Gestein. Ein kleines Rinnsal, das seine Fähigkeiten durch Beständigkeit und Geduld ausspielt. Nicht die großen, gewaltigen Wassermassen formen diese Welt, es sind die Regentropfen und Bäche, die die sanften Rundungen aus grobem Gestein zum Vorschein bringen.

Siehst Du nun die Parallele zu den Begierden beim Feste? Die sanften Rundungen und Formen zum Vorschein bringen? Nicht mit Gewalt, sondern mit der Leichtigkeit und Ausdauer eines leise prasselnden Mairegens.

(will be continued...)

Oli


Abgeschickt von Xande@ulm am 22 August, 2000 um 17:01:15:

Aus Oli 2,1 ist viel für unser aller Leben zu lernen, dennoch möchte ich bemerken, das ich dieses so nicht unkommentiert stehenlassen kann!
Steter Tropfen höhlt den Stein, wie jeder Geowissenschaftler sicher bestätigen kann, aber bricht er den Stein auch?
Viel mehr höhlt er ihn immer weiter, bis er zum Kruge wird o.ä. Aber überlaufen kann er dabei doch! Dies veranschaulicht die wohl allen bekannte Tropfen-Stein-Gleichung:

K0*Vt*exp{ax/(kT)} = -dVk/dt

wobei

Vt Tropfenvolumen
Vk Momentanvolumen des Kruges (Steines)
k Boltzmannkonstante
T Kelvintemperatur
x im allgemeinen Fall ein Vektor in Tropfrichtung
t Zeit
a,K0 Konstanten, die von Fall zu Fall neu zu bestimmen sind

Ich möchte nun hier eine Vereinfachung einführen, die wohl jedem sofort klar sein wird:

K0*Vt >>>>>Bösche, ich muß doch am Samstag auf einer Hochzeit spielen!! Komme aber eventuell noch später, falls Robbe noch fahren kann!!


Abgeschickt von Oli am 22 August, 2000 um 17:58:26

Gut, dass Du dieses Thema ansprichst, Xande. Die empirische Tropfen-Stein-Gleichung, benannt, nach den beiden genialen Ergo-Geophysikern James E. Tropfen und Uli Stein (nicht zu verwechseln mit DEM Uli Stein), basiert ja auf der Entropieänderung der am Prozess beteiligten Materie. Wachsende Entropie bedeutet dabei für ein System den Übergang in einen Zustand größerer Wahrscheinlichkeit. Was ist jetzt aber die größere Wahrscheinlichkeit bei einem Steinzeug-System? Ist der Krug eher voll oder leer? Das ist letztendlich egal, da es sich ohnehin nicht um einen irreversiblen Prozess handelt, sondern einen priodischen Vorgang. Hat damit der Ansatz nach Boltzmann überhaupt seine Berechtigung? Ich meine vielmehr, dass nach dem Runge-Kutta- Verfahren eine Zustandsgleichung n-ter Ordnung aufgestellt werden müsste, die dann über die Zerlegung des Frequenzganges in seine Amplitude und Phase näherungsweise numerisch gelöst werden kann. Das ist schließlich die gewohnte Vorgehensweise bei der Beschreibung linearer, zeitinvarianter Systeme. Sicher pflichtest Du mir bei, wenn ich sage, das System hat eine nichteindeutige Lösung im imaginären Zeit-Raum-Spektrum (wobei zu beachten ist, dass der Nulldurchgang bei der realen Achse zwischen dem zweiten und dritten Quadranten stattfindet).

Pups, für heute bin ich ausgebrannt!

Oli


Abgeschickt von Xande@ulm am 23 August, 2000 um 18:54:04:

Damit hast Du natürlich recht!

Es kann ein Ansatz von folgender Form gemacht werden:

Vk = Ka*exp{i(wt+b) -c*x)}

der mit Euler wieder in Kartesische Anteile in n+1 Dimensionen zerlegt werden kann, da x wieder allgemein ein Vektor sein kann.

Bemüht man hierzu noch die Cauchy-Riemann-Differentialgleichung, die ich hier nicht nocheinmal herleiten möchte, wird diese Lösung unterstützt!

Die wachsende Entropie versteht sich von selbst denn alle einschlägig bekannten Krug-Modelle nehmen dies in ihren Grundzügen an, ohne näher auf eine Begründung einzugehen!!
Wir wollen dies auch tun und verzichten wiederum auf eine Herleitung im Engeren Sinne, also allgemein:

dE/dt > 0 wobei E die Entropie!!

Bis morgen

G.
X.